Pessach Grüße 2021

Liebe Freunde,


die Pessach-Woche steht vor der Tür. Es ist eines der wichtigsten Feste im jüdischen Kalender und findet immer in der Mitte des jüdischen Mondmonats bei Vollmond statt. In diesem Jahr beginnt es am Abend des 27. März und endet am Sonntag, dem 4. April.


Als wir letztes Jahr Pessach Corona-bedingt zum ersten Mal online über Zoom feierten, wurde vielen von uns bewusst, in welchem Ausmaß die neuen Technologien unser Erleben von religiösen und sozialen Ritualen verändern. Wir waren froh, diese Technologien zu nutzen und unseren Familien und Freunden auf diese Art nahe sein zu können. Damals konnten wir uns nicht vorstellen, dass wir auch dieses Pessach wieder online feiern müssen, ein weiteres Mal getrennt von Familie und Freunden.


Von Trennung und Hoffnung erzählt auch das Pessach-Fest. Pessach erinnert an den Auszug des jüdischen Volkes, die Flucht aus der Sklaverei in Ägypten und den Empfang der Tora. Am Vorabend von Pessach, beim Seder, wird mit einem großen Festmahl des Auszugs aus Ägypten gedacht und die „Hagaddah“ gelesen. Den Kindern wird anhand der unterschiedlichen, symbolträchtigen Speisen die Geschichte des Exodus erzählt und somit die jüdische Tradition von Generation zu Generation weitergegeben.

Im Laufe der sieben Tage des Pessach-Festes werden bestimmte Lebensmittel gemieden, die „chametz“ sind, andere werden gegessen, wie zum Beispiel das Matzah – ungesäuertes Brot –, das an den überstürzten Auszug aus Ägypten erinnert. Damals hatten die Israeliten keine Zeit, ihr Brot vor der Flucht zu säuern, deshalb müssen alle Speisen während des Pessach ungesäuert sein.


Diese Aufnahme hier stammt aus den Yad Vashem-Archiven und ist Teil der online-Ausstellung "And You Shall Tell Your Children". Das Foto zeigt die Herzog-Matzah-Fabrik in der Andreasstraße 32 in Berlin Friedrichshain, 1936. Arbeiterinnen wiegen und verpacken Matzen. Die Fabrik wurde 1924 von den Brüdern Theodor und Michael Herzog aus Posen gegründet. Die Produktionsleistung erreichte 120.000 Matzen pro Tag, doch 1937 wurde die Fabrik geschlossen. Theodor Herzog, der sich viele Jahre in der Synagoge am Kottbusser Ufer engagierte, wanderte über Holland nach Eretz Israel aus, wo er 1939 starb. Michael Herzog floh 1939 in die Vereinigten Staaten und ist 1952 gestorben.


Es ist kaum vorstellbar, in welcher Verzweiflung sich Juden während des Holocaust mit der Geschichte von Verfolgung und Sklaverei verbunden gefühlt haben müssen. Mögen ihre Fähigkeit zur Hoffnung und ihr Glaube an eine bessere Zukunft uns weiterhin inspirieren. Jeder Seder endet mit den Worten. „Nächstes Jahr in Jerusalem!“ - auch wir hoffen, nächstes Jahr wieder reisen zu dürfen, uns in Jerusalem zu treffen und endlich mit unseren Familien und Freunden vereint zu sein.


(Seder im Lager Mittenwald, nach dem Krieg)



Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien schöne Pessach- und Osterfeiertage und einen guten Start in den Frühling. Verlieren Sie nicht den Mut und vor allem: bleiben Sie gesund!



Mit herzlichen Grüßen,



Ihre Ruth Ur

Geschäftsführerin Freundeskreis Yad Vashem e.V.

Direktorin für die deutschsprachigen Länder

und die Schweiz, Yad Vashem




(Bilder: courtesy Yad Vashem Archives)

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