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Veranstaltungsbericht: Nach dem Pogrom – Die Radikalisierung der NS-Verfolgungspolitik im Herbst 1938

Aktualisiert: 12. Juni




Am 12. November 2025 diskutierten Dr. Kim Wünschmann und Dr. Susanne Heim unter dem Titel „Nach dem Pogrom – Die Radikalisierung der NS-Verfolgungspolitik im Herbst 1938“ über die Nachwirkungen der Novemberpogrome. Der Abend wurde moderiert von Anne Weiniger-Lepper.


Zu Beginn las die Schauspielerin Anette Daugardt ausgewählte Quellentexte aus der Edition Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden 1933–1945. Die Dokumente, Berichte, Briefe und diplomatische Telegramme, ermöglichten es dem Publikum, einen Eindruck der Ereignisse vom Herbst 1938 zu gewinnen. Die Dokumente handelten von der gewaltsamen Abschiebung polnischer Juden im Rahmen der sogenannten „Polenaktion“, von den Zerstörungen während der Novemberpogrome und den unmittelbaren Folgen für jüdische Familien.


Im anschließenden Vortrag ordnete Dr. Kim Wünschmann, Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg, die Ereignisse in den Kontext des Jahres 1938 ein. Sie zeigte, dass die „Polenaktion“ und die Pogrome nicht als isolierte Gewalttaten zu verstehen sind, sondern als Kulminationspunkt einer sich verschärfenden Verfolgungspolitik. Anhand statistischer Daten und Karten sowie zeitgenössischer Berichte illustrierte sie, wie die Gewalt gegen Jüdinnen und Juden zunehmend systematisch organisiert wurde. Sie erstreckte sich von der Vertreibung bis zur Internierung in Konzentrationslagern. Rund 26.000 jüdische Männer wurden nach dem 9. November 1938 inhaftiert, viele in Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen. Wünschmann machte deutlich, dass diese Massendeportationen ein entscheidender Schritt in der Entwicklung vom gesellschaftlichen Ausschluss zur physischen Vernichtung waren.


Dr. Susanne Heim, langjährige Leiterin der Quellenedition VEJ und Expertin für NS-Sozial- und Bevölkerungspolitik, konzentrierte sich im zweiten Teil auf die strukturellen Folgen der Pogrome. Sie zeigte, wie die Gewaltakte in ökonomische Maßnahmen übergingen: die erzwungene „Arisierung“ jüdischen Eigentums, die Aberkennung beruflicher Existenzen und die Isolation der jüdischen Bevölkerung aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Heim betonte, dass diese Prozesse nicht nur Ausdruck einer antisemitischen Radikalisierung waren, sondern auch von ökonomischen Interessen getragen wurden. Die Pogrome dienten als Katalysator einer neuen, administrativ perfektionierten Ausplünderungspolitik, die die Lebensgrundlagen der deutschen Juden systematisch zerstörte.

Häufig werden die Novemberpogrome in der Erinnerungskultur auf eine Nacht reduziert und damit isoliert. Wie in der Diskussion deutlich wurde, waren sie jedoch Teil einer längeren Phase eskalierender Gewalt.


 
 
 

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