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Ausstellung in Erfurt präsentiert Marion Feiners Tagebuch



„Zu meinem Geburtstag, an dem ich heute 14. Jahre alt geworden bin, bekam ich dieses Buch von meiner Freundin Lissy geschenkt. Meine Geburtstagsfeier ist sehr nett gewesen. Am meisten hatte ich mich gefreut, daß meine Schwester da war […]“


Mit diesen Zeilen begann die Erfurter Schülerin Marion Feiner im Dezember 1935 ihr Tagebuch. Sie selbst konnte durch ihre Auswanderung nach Palästina Anfang 1938 ihr Leben retten, ihre Eltern Adele und Joseph Feiner wurden in der Shoah ermordet. Das Tagebuch wird heute in Yad Vashem aufbewahrt. Für unsere Ausstellung „Sechzehn Objekte“ kehrte es 2023 erstmals nach Deutschland zurück und ist seit dem 4. Mai 2023 Zentrum einer Ausstellung im Erinnerungsort Topf & Söhne in Erfurt. „Sechzehn Objekte“ wurde für die Stadt Erfurt, aus der Marion und ihre Familie 1938 vertrieben wurden, zur Inspiration, ihre Geschichte zu erforschen und in einer Sonderausstellung des Erinnerungsortes Topf & Söhne zu erzählen. Die Geschichte der Familie Feiner steht exemplarisch für das Schicksal der jüdischen Bevölkerung als Teil einer vielfältigen Stadtgesellschaft steht. Marions Tagebuch gibt Einblicke in ihren Alltag, ihre Sorgen um ihre Eltern und ihren Willen zur Selbstbehauptung.


Am 3. Mai eröffnete der Erinnerungsort in Kooperation mit dem Freundeskreis Yad Vashem e.V. die Sonderausstellung „Miriams Tagebuch. Die Geschichte der Erfurter Familie Feiner“. Als Ehrengäste begrüßte das Publikum Miriams Tochter, Dalia Ziv, sowie ihre zwei Enkelkinder, die zum ersten Mal nach Deutschland gereist sind und die Ausstellungseröffnung mit einer berührenden Rede begleiteten. Neben der Familie Ziv, sprachen auch der Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein, die Kuratorin und Leitern des Erinnerungsorts Topf & Söhne, Dr. Annegret Schüle, sowie die Geschäftsführerin des Freundeskreises Yad Vashem e.V., Ruth Ur. Anschließend wurde vom „Schotte Kinder- und Jugendtheater Erfurt“ in einer beeindruckenden Inszenierung aus dem Tagebuch vorgelesen.


Das Tagebuch wird in einer originalgetreuen Nachbildung ausgestellt. Im Juni 2023 wird das Original für kurze Zeit in Erfurt zu sehen sein. Über 87 Jahre liegen zwischen dem Tag, als Marion zu Hause in der Kruppstraße 11 (heute Klausener Straße 11) die ersten Worte in das Tagebuch schrieb, und seiner Rückkehr nach Erfurt. Wenige hundert Meter von der Familienwohnung entfernt, wird es nun ein berührendes Objekt in der Ausstellung am Erinnerungsort Topf & Söhne sein.


Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.


Foto: © Marvin Systermans

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