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Ausstellung im Saarbrücker Rathaus zeigt Lilo Ermanns Poesiealbum


Lilo Ermann am Tag ihrer Einschulung, ca. 1932 © Yad Vashem



„Nimm das Leben leicht + Deine Pflichten ernst.“


Diese Worte schrieb Willi Ermann 1937 in das Poesiealbum seiner Tochter Liselotte Ermann. Die Ermanns lebten in Saarbrücken. Nachdem Willi Ermann im Ersten Weltkrieg als Soldat gedient hatte, arbeitete er in der Textilfirma seines Vaters. Als die Repressionen gegen Jüdinnen und Juden auch in Saarbrücken zunahmen, flüchtete die kleine Familie nach Paris. 1943 wurde Liselotte, zu dem Zeitpunkt 17 Jahre alt, nach Auschwitz deportiert und ermordet.


Seit einigen Jahren wird das Poesiealbum in Yad Vashem aufbewahrt. Ein Großneffe von Liselotte Ermann hatte es zusammen mit Fotos an die Holocaust-Gedenkstätte gespendet. Anfang des Jahres kehrte das Poesiealbum mit 15 weiteren Objekten aus der Sammlung von Yad Vashem zum ersten Mal nach Deutschland zurück. Die Ausstellung im Deutschen Bundestag erinnerte daran, dass überall in Deutschland zahllose jüdische Leben und Gemeinschaften zerstört wurden. Neue Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart herzustellen, Verbindungen zwischen Einzelschicksalen, deren Geschichten in Yad Vashem aufbewahrt werden, und deutschen Städten, das war das Ziel der Ausstellung. So arbeiteten wir daran, dass die Objekte auch in ihre Ursprungsorte zurückkehren, ob physisch oder symbolisch.


Diese Form der Erinnerung stößt in den Städten auf große Resonanz – nach Ausstellungen in Erfurt und Chemnitz widmet sich nun eine neue Ausstellung des Freundeskreises Yad Vashem im Rathaus von Saarbrücken Liselottes Poesiealbum. Sie hat vor allem symbolischen Charakter: Sie trägt dazu bei, einen Mosaikstein dieser verlorenen Geschichte wieder nach Saarbrücken zu bringen. Und sie steht stellvertretend für die vielen Schicksale von Jüdinnen und Juden, die im Nationalsozialismus verfolgt, enteignet oder ermordet wurden.


Die Einträge, die von Familienmitgliedern und Freundinnen von Liselotte stammen, sind voller Hoffnung und Zuversicht. Angesichts der antisemitischen Bedrohungen ist das kaum vorstellbar. In der Ausstellung „Aus Saarbrücken: Ein Poesiealbum“ zeigen wir diese Einträge sowie ausgewählte Familienfotos der Ermanns. Noch bis zum 24. November kann sie im Hauberrisser Saal des Saarbrücker Rathauses besucht werden.


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